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Der erste Kriegstote

Der erste Kriegstote

AUSSTELLUNGJakob Schulten war der erste Kriegstote

Erstellt 
Bei der Ausstellung „Ein Dorf im 1. Weltkrieg“ herrschte reger Andrang von Interessierten aus Rheinbreitbach und Umgebung. Foto: (Foto: Leo Klevenhaus)
„Möge die Ausstellung Mahnmal sein, dass so etwas nie mehr geschieht“ – diese Leitmotiv steht über einer Präsentation, die jetzt im Heimatmuseum in Rheinbreitbach zu sehen ist. Ihr Titel: „Ein Dorf im 1. Weltkrieg.“ Von 


Rheinbreitbach
Vor 100 Jahren, im August 1914, befanden sich die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn im Krieg gegen die verbündeten Entente-Staaten Frankreich, Großbritannien und Russland. Der Krieg herrschte nicht nur auf den Schlachtfeldern in Europa, den Kolonien in Afrika, im Nahen Osten sowie auf hoher See, sondern auch an der „Heimatfront“. Hier litten viele Deutsche schon bald unter Hunger, waren vom zähen Kriegsverlauf enttäuscht und vom Massentöten an der Westfront schockiert. Rund 17 Millionen Menschen kamen bis 1918 im „Großen Krieg“ ums Leben.
Im kleinen Dorf Rheinbreitbach waren und sind immerhin rund 50 Kriegstote und zahlreiche Verwundete zu beklagen. Und eben weil dieser unsägliche Krieg auch an Rheinbreitbach nicht spurlos vorüber gegangen ist, kam dem Vorsitzenden des hiesigen Heimatvereins, Dankward Heinrich, die Idee zu der Ausstellung „Ein Dorf im 1. Weltkrieg“ im vereinseigenen Heimatmuseum.
Jetzt war, in Anwesenheit einer großen Zahl Interessierter des Ortes und der Nachbarschaft, die offizielle Eröffnung. Heinrich, sein Vorstandskollege Thomas Napp und viele sonstige Helferinnen und Helfer haben eine sehenswerte und vor allem informative Ausstellung entwickelt.
Die Besucher erhalten nicht nur einen interessanten Einblick in die Geschehnisse von damals und das Leben im Dorf Rheinbreitbach. Sie erfahren, dass der erste Kriegstote Rheinbreitbachs „im Kampf fürs Vaterland“ Jakob Schulten hieß. Er fiel am 16. September 1914. Gefallene wurden häufig in „Hemden aus Pappe“ begraben, weil ihre Uniformen für noch lebende Soldaten Verwendung fanden.
Das Foto mit der Ansicht des Breitbacher Hofes um 1915 gehört zur Sammlung von Zeitzeugen.
Das Foto mit der Ansicht des Breitbacher Hofes um 1915 gehört zur Sammlung von Zeitzeugen.
Weil im Rheinbreitbacher Archiv oder auch in einzelnen Familien eher weniger Utensilien, Feldpost, Einberufungsbescheide und anderes aufzufinden waren, bediente sich der Heimatverein Rheinbreitbach für seine Präsentation zahlreicher Leihgaben wie einer alten Uniform, eines Säbels, Feldflaschen und nicht zuletzt Orden und Ehrenzeichen.
Franz-Josef Federhen, der Ehrenvorsitzende des Heimatvereins, erzählte: „Dass zahlreiche Gefallene gleichen Namens aus Rheinbreitbach registriert sind, kommt daher, dass damals viele Brüder und andere verwandte Burschen und deren Väter aus ein und der selben Familie in die selbe Einheit eingezogen wurden. War diese Einheit durch Feindeinwirkung betroffen, traf es leider auch ganze Familien.“ Wie viel Leid es für die Mütter bedeutete, kann man nicht ermessen.
Fremdenlegion
Das Thema „Französische Fremdenlegion“ und deren Bezug auf die Mobilmachung zum 1. Weltkrieg hat das Vorstandsmitglied des Heimatvereins, Thomas Napp, besonders beleuchtet und für die Rheinbreitbacher Ausstellung aufgearbeitet.
„Die Gefahren der französischen Fremdenlegion passen genau in den Zeitgeist des deutschen Kaiserreichs mit seinen leichten antifranzösischen-deutschnationalistischen Tendenzen. Neben der Warnung vor der strengen Disziplin und der unmenschlichen Behandlung innerhalb der Fremdenlegion wollte man die Franzosen auch schon vor dem 1. Weltkrieg ein Stück weit in ein negatives Licht rücken, was auch durch den Satz Ausdruck findet: ,Für die verlustreichen Kämpfe mit den Eingeborenen (Afrika) ist den Franzosen ihr eigenes Menschenmaterial zu schade.’
Ebenso wollte man natürlich wirklich über die Gefahren der Fremdenlegion informieren, da die Option der Fremdenlegion sich meist als ein Abenteuer für junge Menschen darstellte, die sonst nur ihr dörfliches Umfeld kannten, es zum Schluss jedoch mit dem Leben bezahlten.
Im Vorfeld des 1. Weltkrieges waren solche Veranstaltungen natürlich besonders wichtig und schürten in der Bevölkerung die antifranzösische Stimmung, die dann auch Auswirkungen auf die Mobilmachung mit dem Hurra-Patriotismus hatte. Ohne solche Veranstaltungen mit national-patriotischem Charakter hätte sich die Begeisterung bei der Mobilmachung am 1. August 1914 wohl nicht so derart stark ausgeschlagen. (KL)
In der Ausstellung erfährt der Besucher auch, dass durch die Wirren des 1. Weltkrieges der geplante Bau einer elektrischen Bahn von Linz über Erpel, Unkel, Rheinbreitbach und Bad Honnef nicht zum Tragen kam (die Rundschau berichtete).
„Für Rheinbreitbach wäre eine solche Verkehrsanbindung von großer Bedeutung gewesen“, resümiert der Archivar des Heimatvereins, Thomas Napp.
Die Ausstellung im Museum, Hauptstraße, läuft bis 23. November, jeweils von 14.30 bis 17.30 Uhr an den Tagen 10. und 24. August; 14. und 28. September; 12 und 26. Oktober, 9. und 23. November.

Quelle: Bonner Rundschau, 5.8.2014

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