Geschichte des Rheinbreitbacher Kupfererzbergbaus


Geschichte des Rheinbreitbacher Kupfererzbergbaus



Das Kupfererzbergwerk Virneberg auf der Breiten Heide in Rheinbreitbach
Quelle: Rheinisches Bildarchiv


Das in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts stillgelegte Bergwerk "Virneberg" liegt 3 km östlich Rheinbreitbachs auf der "Breiten Heide". Das zweite bedeutende Kupfererzbergwerk bei Rheinbreitbach war die Grube St. Marienberg - bis 1724 hieß sie "Im Siepen" -, etwa 1,5 km südlich des Virnebergs gelegen. Sie wurde 1874 stillgelegt.

Vor
1600 Wann am Virneberg mit der Kupfererzgewinnung begonnen wurde, ist nicht eindeutig zu klären. Wie der Anfang des 17. Jahrhunderts erstmals genannte Name "Virneberg" schon ausdrückt, handelt es sich um ein altes Bergwerk, dessen Entstehungsgeschichte von Sagen umwoben ist; "firn" steht für "alt" und "im Ursprung unbekannt".

Römische Münzen, die auf der Abraumhalde und in einem alten Stollen gefunden wurden, lassen auf eine Ausbeutung des Kupfererzgangs im Tagebau bereits durch die Römer schließen.

1604 Erste schriftliche Erwähnung des Bergwerkes Virneberg Bartholomäus Brück erhält das Bergwerk Virneberg als Lehen von dem Kölner Erzbischof und Kurfürsten und nimmt im Jahre 1605 die Bergbautätigkeit auf.
Im dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kamen die Schweden nach Rheinbreitbach und zerstörten wesentliche Einrichtungen des Bergwerks. Danach ruhte die Bergbautätigkeit am Virneberg bis zum Ende des 17. Jahrhunderts; das Bergwerk fiel ins Freie, d.h. es war nicht mehr belehnt.

1668 Erste schriftliche Überlieferung über die Grube "Im Siepen", der späteren Grube St. Marienberg. Der Bergmeister Christoff Franz berichtet über eine rege Bergbautätigkeit zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Während des 30jährigen Krieges ruht der Bergbau Bergmeister Franz empfiehlt, die Grube durch den Bau eines 800 m langen Entwässerungsstollens wieder in Betrieb zu nehmen.

1694 Der Kölner Kurfürst Joseph Clemens vergibt die Bergbaurechte für beide Gruben an den Kölner Brückenbaumeister Anton Clouth. Noch im gleichen Jahr beginnt Clouth am Virneberg mit dem Bau eines neuen Grundstollens aus dem Breitbachtal, der mit 1.000 m Länge das Erzvorkommen am Virneberg erschließen sollte. In der Nähe des Stollenmundlochs werden im Breitbachtal Erzaufbereitungsanlagen errichtet.
Etwa zur gleichen Zeit nimmt Anton Clouth den von Franz empfohlenen Stollen zur Grube "Im Siepen" in Angriff. Um 1720 beendet Clouth seine Bergbautätigkeit in der Grube "Im Siepen". In der Folgezeit werden die Bergbauaktivitäten von verschiedenen Gewerken wahrgenommen. 1790 kommt der Bergbau auf der Grube St. Marienberg - der Name erscheint erstmals im Jahre 1724 - zum Erliegen.

1780 Die Erben von Clouth (Anton Clouth ist 1721 gestorben) verkaufen ihre Anteile der Grube Virneberg die Kölner Kaufleute Hüls und Wierz. Die nächsten zwanzig Jahre sind durch Misswirtschaft geprägt.





Reste des Bergbaus in der Nähe der alten Ziegelei
Foto: Dankward Heinrich


1793 Der Hofrat Carl Bleibtreu aus Neuwied ersteigert gemeinsam mit den Brüdern Balkhaus aus Köln das Marienberger Bergwerk. Wegen der hohen erforderlichen Investitionen kommen weitere Gewerken hinzu: Die Brüder Engelbert und Christian Rhodius und die Brüder Abraham und Leopold Bleibtreu, Söhne von Carl Bleibtreu.

1799 Leopold Bleibtreu wird Berginspektor am Virneberg. Er sorgt für neue Ordnung und erlässt neue Betriebsvorschriften.
Die Familie Bleibtreu zieht sich im 2.Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts aus dem Rheinbreitbacher zurück und verlagert ihre Aktivitäten nach Oberkassel, wo sie u.a. am Ennert Braunkohle abbauen.

1820 Die Gebrüder Rhodius übernehmen den Virneberg. Sie beschränken sich zunächst auf die Aufbereitung der alten Halden am "Ausgehenden des Erzgangs", dem alten Tagebau.

1830 Der Bergbau auf der Grube St. Marienberg kommt wegen der hohen Kosten für die Wasserhaltung zum Erliegen.

1831 Der von Anton Clouth in den Virneberg getriebene Grundstollen wird wieder "aufgewältigt", neu verzimmert und mit Schienen für eine Grubenbahn ausgerüstet.

1837 Die "Metallurgische Gesellschaft zu Stolberg" übernimmt die Grube St. Marienberg. Sie muss ihre Aktivitäten wegen der steigenden Kosten 1855 einstellen.

1840 Am Virneberg wird der "Regentenschacht" abgeteuft. Hier kommt die erste Dampfmaschine am Virneberg zum Einsatz. Über sie werden nicht nur die Pumpen betätigt, um das Wasser aus dem Tiefbau auf das Niveau des Grundstollens anzuheben, mit der Dampfmaschine wird auch ein Förderkorb angetrieben, mit dem das Erz direkt durch den Schacht zutage gefördert werden kann.

1853 Die Gebrüder Rhodius verkaufen die Grube Virneberg an die "Anonyme Gesellschaft für Rheinischen Bergwerks- und Hüttenbetrieb". Ein neuer Schacht, der Alexanderschacht, wird abgeteuft und ebenfalls mit einer Dampfmaschine ausgerüstet. Durch den Einsatz von Dampfmaschinen an beiden Schächten verliert der Grundstollen seine Bedeutung für die Erzförderung. Die Erzaufbereitungsanlagen werden aus dem Breitbachtal in die Nähe der Schächte verlagert, um die geförderten Erze an Ort und Stelle verarbeiten zu können.

1862 Die englische Gesellschaft "St. Josephsberg Copper & Lead Mining Company Ltd." übernimmt das Bergwerk Virneberg.

1864 Die Gebrüder Estivant aus Frankreich nehmen den Bergbaubetrieb auf der Grube St. Marienberg wieder auf, jedoch ohne großen Erfolg.

Um
1870 wird ein neuer Schacht abgeteuft, der nach dem Vorsitzenden der englischen Gesellschaft den Namen "Hadleyschacht" erhält. Der Regenten- und Alexanderschacht werden abgeworfen und die Aufbereitungsanlagen an den Hadleyschacht verlagert bzw. dort neu errichtet.

1874 Ein Bruch des Pumpengestänges, wodurch binnen kurzer Zeit der gesamte Tiefbau unter Wasser gesetzt wurde, besiegelt die endgültige Stillegung der Grube St. Marienberg.
Zu Beginn der 80er Jahre treten zunehmend Probleme auf, die einen weiteren wirtschaftlichen Betrieb des Bergwerks in Frage stellen.

1882 Die englische Gesellschaft stellt den Betrieb am Virneberg ein. Der bisherige Grubendirektor Roskilley übernimmt die Grube.

1886 Endgültige Stillegung der Grube Virneberg. Die Anlagen wurden nach und nach abgebaut.

1896 demontierte man das letzte Schachtgerüst. Rheinbreitbacher Bürger trugen die Gebäude ab und setzten das Material für den Hausbau ein.


Literatur:
H.J. Fuchs, S. Kalbenn, M. Muhr, Rheinbreitbach - Mit Schlägel und Eisen, Bergbaugeschichte - Geologie - Mineralien, Haltern/westf., 1986

Link:
Historischer Bergbau und Heimatgeschichte, Website unseres Vorstandsmitglieds Jürgen Fuchs


Gebetsstelle der Rheinbreitbacher Bergleute auf dem Weg
zu den Bergwerken am Virneberg und Marienberg

Foto: Dankward Heinrich